Physiotherapie25. Juni 2026

Krankengymnastik am Gerät (KGG) erklärt: Ablauf, Indikationen und Verordnung

Krankengymnastik am Gerät (KGG) ist eine aktive, ärztlich verordnete Trainingstherapie an medizinischen Trainingsgeräten und Seilzügen. Wir erklären Ablauf, Einsatzgebiete, die Abgrenzung zu klassischer Krankengymnastik und Reha-Sport sowie den Weg zur Verordnung.

Krankengymnastik am Gerät (KGG) erklärt: Ablauf, Indikationen und Verordnung
Das Wichtigste in Kürze
  • KGG (Heilmittel-Kürzel KG-Gerät) ist gerätegestützte Krankengymnastik an Sequenztrainingsgeräten sowie Hebel- und Seilzugapparaten.
  • Sie ist ein verordnungsfähiges Heilmittel: Eine Ärztin oder ein Arzt stellt die Verordnung aus, die gesetzliche Krankenkasse übernimmt dann die Kosten.
  • Der Ablauf ist aktiv und individuell: rund 60 Minuten, in kleiner Gruppe von bis zu drei Personen, mit eigenem Trainingsplan und therapeutischer Anleitung.
  • Reha-Sport zielt eher auf langfristige Eigenständigkeit in der Gruppe; KGG bleibt eine individuelle, befundbezogene Therapie.
  • Erwachsene zahlen für Heilmittel üblicherweise 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung zu; konkrete Details klärt die Krankenkasse.

Nach einer Operation, bei chronischen Rückenbeschwerden oder muskulären Defiziten reicht eine rein passive Behandlung oft nicht aus. Hier kommt die Krankengymnastik am Gerät ins Spiel: eine aktive, gezielt steuerbare Trainingstherapie. In diesem Ratgeber erklären wir, was sich hinter dem Begriff verbirgt, für wen die Therapie sinnvoll ist, wie sie abläuft und wie Sie sie verordnet bekommen.

Was ist Krankengymnastik am Gerät (KGG)?

Krankengymnastik am Gerät (KGG) ist eine aktive Form der Physiotherapie an medizinischen Trainingsgeräten. Im offiziellen Heilmittelkatalog des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) trägt sie das Kürzel KG-Gerät und ist definiert als „Gerätegestützte Krankengymnastik mit Sequenztrainingsgeräten und/oder Hebel- und Seilzugapparaten" [1]. Anders als bei der klassischen Krankengymnastik trainieren Sie also nicht mit dem eigenen Körpergewicht und manuellen Techniken allein, sondern an Geräten, deren Widerstand sich präzise dosieren lässt.

Das macht KGG zu einer planbaren Trainingstherapie: Belastung, Wiederholungen und Bewegungsrichtung können kontrolliert gesteigert werden. Ziel ist, Kraft, muskuläre Ausdauer und funktionelle Bewegungsabläufe wiederherzustellen – abgestimmt auf Ihr individuelles Krankheitsbild und den physiotherapeutischen Befund.

Für wen ist KGG geeignet?

KGG ist im Heilmittelkatalog bei verschiedenen Diagnosegruppen als vorrangiges Heilmittel aufgeführt, unter anderem bei Beschwerden der Wirbelsäule und der Muskulatur [1]. Typische Einsatzgebiete sind:

Helle medizinische Trainingstherapie-Fläche mit Seilzug und Beinpresse
An medizinischen Geräten lässt sich die Belastung präzise dosieren.
  • Nachsorge nach Operationen an Gelenken, Bändern oder der Wirbelsäule, wenn die Belastbarkeit schrittweise aufgebaut werden soll
  • Chronische Rücken- und Nackenbeschwerden mit muskulären Defiziten oder Dysbalancen
  • Wiederaufbau nach längerer Schonung, Verletzungen oder Ruhigstellung
  • Stabilisierung von Gelenken durch gezielten, dosierten Kraftaufbau

Ob KGG im Einzelfall die richtige Maßnahme ist, entscheidet die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt anhand der Diagnose. Im Gegensatz zu rein passiven Anwendungen setzt KGG aktive Mitarbeit voraus – das ist Teil des therapeutischen Prinzips.

Wie läuft eine KGG-Behandlung ab?

Zu Beginn erstellt die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut auf Basis von Befund und Krankheitsbild einen individuellen Trainingsplan [4]. Eine Behandlungseinheit dauert nach Angaben des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) rund 60 Minuten und findet in einer kleinen Gruppe von bis zu drei Patientinnen und Patienten statt [4]. Sie trainieren also nicht allein – aber jede Person folgt ihrem eigenen Plan unter therapeutischer Anleitung.

Der Verband weist außerdem darauf hin, dass KGG nur von Physiotherapeutinnen und -therapeuten durchgeführt werden darf, die über eine entsprechende Trainingsfläche verfügen, und dass eine spezielle Fortbildung ein optimales Behandlungsergebnis voraussetzt [4]. Praxen benötigen für die Abrechnung mit den Krankenkassen also sowohl die räumlich-gerätetechnische Ausstattung als auch entsprechend qualifiziertes Personal.

KGG, klassische Krankengymnastik und Reha-Sport – wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden oft verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Konzepte. Klassische Krankengymnastik (im Heilmittelkatalog schlicht „KG") arbeitet vor allem mit aktiven Übungen und manuellen Techniken ohne Trainingsgeräte [1]. KGG ergänzt dieses Prinzip um medizinische Geräte, mit denen sich der Widerstand exakt dosieren lässt [1].

Reha-Sport (Rehabilitationssport) ist dagegen kein Heilmittel im engeren Sinn, sondern eine ergänzende Leistung. Er findet laut Krankenkassen-Information in Gruppen und unter ärztlicher Aufsicht statt und verfolgt das Ziel, „Hilfe zur Selbsthilfe" für die Zeit nach der eigentlichen Therapie zu bieten [5]. Vereinfacht gilt: KGG ist eine individuelle, befundbezogene Therapie; Reha-Sport setzt eher auf die langfristige, eigenständige Bewegung in der Gruppe.

Wie bekomme ich KGG verordnet?

In vier Schritten zur KGG-Verordnung
1
Beschwerden ansprechen
Sie schildern Ihre Beschwerden in der ärztlichen Praxis, etwa in Orthopädie, Chirurgie oder Hausarztpraxis.
2
Verordnung erhalten
Die Ärztin oder der Arzt entscheidet anhand der Diagnose und stellt bei Eignung eine KGG-Verordnung aus.
3
Kostenübernahme durch die Kasse
Bei medizinisch notwendiger und ärztlich verordneter Behandlung kommt die Krankenkasse für die Kosten auf.
4
Zuzahlung leisten
Erwachsene zahlen in der Regel zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro je Verordnung zu; unter 18 Jahren entfällt die Zuzahlung.

KGG ist ein Heilmittel. Medizinische Leistungen wie Physiotherapie werden laut G-BA als Heilmittel bezeichnet und „dienen dazu, Krankheiten entgegenzuwirken, zu heilen oder Beschwerden zu lindern"; sie „müssen verordnet und von speziell ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten erbracht werden" [2]. Welches Heilmittel bei welcher Diagnose in welcher Menge angemessen ist, regelt der Heilmittelkatalog als Bestandteil der Heilmittel-Richtlinie [2].

Person trainiert an einem Seilzug im freundlichen Tageslicht
Gerätegestützte Krankengymnastik — aktiv und individuell.

Praktisch bedeutet das: Sie sprechen Ihre Beschwerden bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an (zum Beispiel in der Orthopädie, Chirurgie oder Hausarztpraxis). Wird KGG verordnet, kommt nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums die Krankenkasse für die Kosten auf, sofern das Heilmittel medizinisch notwendig und ärztlich verordnet ist [3]. Für Erwachsene fällt in der Regel eine Zuzahlung an: „zehn Prozent der Kosten des Heilmittels plus zehn Euro je Verordnung"; Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts zu [3].

Hinweis: Verordnungs-, Erstattungs- und Zuzahlungsregeln können sich ändern und vom Einzelfall abhängen. Verbindliche Auskünfte zu Kostenübernahme, Befreiung und Verordnungsmenge gibt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sowie Ihre Krankenkasse. Im BRIKS Studio in Heidelberg beraten wir Sie gern zur Trainingstherapie – von der Befundaufnahme bis zum begleiteten Übergang in eigenständiges Training. Mehr dazu finden Sie auf unseren Seiten zur Trainingstherapie unter /angebot/trainingstherapie und zur Physiotherapie unter /angebot/physiotherapie. Wenn Sie Fragen haben oder einen Termin vereinbaren möchten, erreichen Sie uns über /kontakt.

Häufige Fragen

Nein. KGG ist eine ärztlich verordnete Therapie an medizinischen Geräten, die auf Ihren Befund und Ihr Krankheitsbild abgestimmt ist und unter physiotherapeutischer Anleitung stattfindet. Im Heilmittelkatalog ist sie als gerätegestützte Krankengymnastik mit Sequenztrainingsgeräten sowie Hebel- und Seilzugapparaten definiert [1].

Heilmittel wie Physiotherapie müssen ärztlich verordnet werden [2]. Wird KGG verordnet, kommt die gesetzliche Krankenkasse für die Kosten auf, sofern die Maßnahme medizinisch notwendig ist [3]. Erwachsene leisten üblicherweise eine Zuzahlung von zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro je Verordnung; Details klärt die Krankenkasse [3].

Nach Verbandsangaben dauert eine Einheit rund 60 Minuten und findet in einer Gruppe von bis zu drei Patientinnen und Patienten statt; jede Person trainiert dabei nach einem individuellen Trainingsplan [4].

KGG ist eine individuelle, befundbezogene Therapie an Geräten. Reha-Sport findet in Gruppen unter ärztlicher Aufsicht statt und zielt vor allem auf 'Hilfe zur Selbsthilfe' und langfristige, eigenständige Bewegung nach der eigentlichen Behandlung [5].

So unterstützt dich BRIKS.

Ob Beschwerden, Reha oder dein nächstes Trainingsziel – im BRIKS Studio in Heidelberg begleiten wir dich persönlich, fundiert und auf dich abgestimmt.